Generation Wünschelrute

Einen Whatsapp-Status machen.
Hoffen, dass du drauf klickst.
Deinen Namen lesen.
Kurze Freude.
Dann wieder weg.
Noch einen Whatsapp-Status machen.
Das alles ja nur für dich.
Stumme SOS' mit Steinen im Sand.
Die kann man auch nur von oben sehen.
Will nicht dramatisch sein.
Will aber auch gehört werden.
Gesehen.
Gelesen.
Will, dass man weiß, dass was los ist.
Will nicht, dass man denkt, es sei was.
Will, dass du verstehst, was nicht einmal ein Team aus Linguisten, Anthropolgen und den besten Mamas der Welt verstehen könnte.
Kann mich auch nicht ganz verstehen.
Einen Facebook-Post verfassen.
Witzig-Ironisch.
Auf dein Like warten.
Kommt ein Lach-Emoji.
Vermisst du mich?
Ich vermisse dich ganz schön.
Dein unausreichendes Profilbild, da, als ich auf die rote Eins neben diesem Weltkugelding klicke.
So siehste doch gar nicht in echt aus.
Hab dich neulich noch gesehen.
Jetzt nur dieses starre Bild da.
Scrollen in deinem Profil.
Diese Woche.
Letzte Woche.
"Stalking" nennen sie das.
Witzig gemeint und so.
Schreibe dir.
Nun doch.
Wie es dir geht.
Läuft.
Aha?
Bei mir läuft es auch.
Will mich festklammern, schicke ein Katzenfoto.
Reaktion erzwingen.
Will ein tiefes Gespräch, will dein Gefühl.
Aber wer soll mit Tiefe auf ein Katzenfoto antworten?
Neuer Whatsapp-Status.
Viel los bei dir, fragst du.
Jo, viel los.
Dann keine Antwort.
Warst aber online.
Ganze zehn Minuten danach.
Hast meine Nachricht aber nicht einmal gelesen.
Wahrscheinlich schon vorher die Vorschau gesehen, dann nicht geöffnet, weil unwichtig.
Weil keine weitere Antwort nötig.
Wo bist du?
Wo bist du eigentlich grad?
Würde dich anrufen, nur wir haben nicht 1980.
Wenn mich jemand anruft, warte ich fünf Schrecksekunden, ob jemand nur aus Versehen bei Whatsapp auf den Hörer gekommen ist.
Meistens hörts Klingeln dann auch auf.
Ich vermisse dich.
Starre auf dein Online, starre auf dein Zuletztonlineheuteumsoundsovieluhr.
Will dir schreiben, du sollst herkommen.
Habe es mir alles doch ganz anders überlegt.
War doch ganz dumm gewesen, damals, zuletzt vor soundsovieltagen, um soundsovieluhr.
Kann aber nicht.
Poste das Katzenfoto nochmal bei Facebook.
Kriege dreizehn Daumen, drei lachende Emojis, eine Blume.
Einen Kommentar mit einem Katzengif, Katze auf Roller.
Nix davon von dir.
Kennst es ja auch schon.
Das Bild.
Bist auch da nicht mehr on.
Bist sowieso nirgendwo mehr.
Wo bist du?
Wo bin ich?
Ich vermisse dich.
Suche bei YouTube nach diesem einem bestimmten Song.
Musikvideo GEMA gesperrt.
Finde Version mit Lyrics.
Zu schnell.
Lyrics falsch.
Dazu private Fotos vom Ersteller.
Wollte es posten, lasse es sein.
Suche nach diesem anderen Song.
Finde auch den nicht.
Ergebe mich, nehme die Pixies.
Will den Songtext bei Facebook posten.
Halte mich zurück.
Bin ja kein Emo.
Soll ja niemand denken, 's wär was.
Nur du halt.
Denk du mal.
Aber du bist nicht online.
Wo bist du eigentlich?


20.6.17 20:48


Meine Lieblingszahl

Wenn ich mir irgendeine Zahl ausdenken sollte
Dann begann ich immer mit Drei

347189

Dreihundertsiebenundvierzigtausendeinhundertneunundachtzig.

31526

Einunddreißigtausendfünfhundertsechsundzwanzig.

3

Drei.

Drei Millionen Gründe dagegen.
Drei Millionen Gründe dafür.
Drei Millionen Gründe, zu vermissen, was nie so war, nie so sein würde.
Drei Millionen Gründe, zu vergessen, wie es sich angefühlt hat, und die Erinnerung daran, die Erinnerung zu vermissen, dann das Vermissen zu vermissen, dann vergessen und über das Vergessen traurig sein.

So läuft das

Wenn ich mir eine Zahl vorstellen sollte
Dann war es immer Drei

20.6.17 20:26


Die mit einem Turnbeutel Abgespeisten

Es tut mir

So

Leid

So leid um mich selbst

Ich sage, ich wüsste

Was das Richtige ist

Und ihr denkt, ich sei weitsichtig, weise

Oder so etwas

Hört ihr, das Richtige

Ist ein von Menschen erwünschtes, fiktives

Konstrukt

Ich will nicht wehtun

Das ist das Falsche

Und Coldplay singen, der schwerste Teil 

Sei, loszulassen

Wie auch immer

Das gehen soll

Rauch, der aus unseren Mündern aufsteigt wie ein Atompilz

Meine Lieblingszahl war das schon immer

Muss jetzt stark sein

Darf nicht denken

An

Träumereien

Von Holzbalken eingezäunte Himmel mit Birken

Wie großartig wir waren

Muss froh sein

Nicht traurig

 

Froh

20.6.17 20:19


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